Allgemein · Gedankenpottpurri

And if there’s cracks left from the past? Well then they just let in more light.

If there’s one thing that I may tell you
Let it be: You are your home,
Your body is the only house
That you will ever truly own.

Wenn ich in den Spiegel blicke, dann sehe ich oft nicht das, was ich gerne sehen würde. Ich blicke in leere Augen, fahle Haare. Die Haut ist unrein, die Haltung gedrückt. Kurz um: Das was mit da entgegen schaut, mag ich nicht.

Die letzten Tage und Wochen fiel es mir sehr schwer etwas positives an mir selbst zu erkennen. Ich fühlte mich hässlich und redete mir ein, dass mein Äußeres wohl wirklich ein wichtiger Aspekt für meine Partnerlosigkeit sei musste. Wer würde denn neben so einem ausdruckslosen Gesicht aufwachen wollen? Da fragt man sich ja, ob man wirklich schon wach oder noch in einem Alptraum gefangen ist. Ich lies mich immer mehr gehen und förderte so natürlich meine innere Wahrheit nicht schön ausszusehen. Gleichzeitig machte sich die mahnende Stimme in meinem Kopf breit, wie oberflächlich meine Denkweise denn bitte sei, dass ich mir so viel aus Äußerlichkeite mache. Das spricht ja wiederum nicht gerade für einen guten, erwachsenen Charakter. Die Selbsthassprirale war also in vollem Gange.

Als ich dann einen Nachmittag eine gute Freundin fotografierte, die selbst auch immer darüber klagt, dass sie sich nicht leiden mag und ich bei dem Blick durch den Kamerasucher immer wieder den Gedanken im Kopf hatte, wie absurd ihre Selbstwahrnehmung doch sei. Sie ist doch wirklich hübsch. Ja okay, sie hat keine Modelmasse aber es passt alles doch irgendwie zusammen und ergibt ein wirklich stimmiges Gesamtbild einer frechen, ehrlichen jungen Frau, die leider ein völlig verzerrtes Bild von sich selbst hat und nur aufgrund von banalen Äußerlichkeiten nicht wirklich mit sich zufrieden ist. Als mir diese Gedanken so durch den Kopf schwebten und mich mit einer gewissen Art der Traurigkeit erfüllten, merkte ich, dass ich ja nicht wirklich anders davor war. Auch ich mag mich nicht leiden, weil ich nicht den gängigen Schönheitsidealen entspreche. Und wohl auch, weil ich in meinem Leben noch nicht viel positive Rückmeldungen zu meinem Äußeren erhalten habe, eher das Gegenteil war in meiner Jugend oft der Fall^^

In diesem Moment beschloss ich, dass ich wieder etwas für mein Selbstwertgefühl und gegen mein verzerrtes Selbstbild tun müsste. Da ich mich in letzter Zeit einfach viel mit der Fotografie beschäfte wollte ich gerne Fotos von mir. Mal nicht mit dem Selbstauslöser und Summer neben mir geknipst, sondern mit mir im Fokus. Kurzerhand fragte ich Rona, ob sie mich die Woche ablichte könnte und suchte mir auch prompt einige Beispielbilder aus dem Internet heraus. Fototherapie. So nenne ich das Vorhaben jetzt einfach mal^^

Die Tage vor dem geplanten Shooting färbte ich mir noch die Haare und stutzte meinen Pony. Auch ein paar neue Kleidungsstücke gönnte ich mir. Ich sah abends in den Spiegel und mochte doch tatsächlich halbswegs leiden, was mir dort entgegenblickte. Sogar meine Beine waren trotz der Neurodermitis einigermaßen heil und auch die Flecken der Weissfleckenkrankheit störten mich gerade nciht so sehr wie sonst. Ich muss ehrlich sagen: Ich fühlte mich gut dabei. Zu gut.

Am Abend vor dem Shooting waren die vorwurfsvollen Stimmen zu laut.
„Ich bin hässlich.“ „Ich habe Gutes nicht verdient.“ „Ich bin zu oberflächlich.“
Innerhalb von wenigen Minuten hatte ich meine gesamtem Beine zerkratzt. Blut rannte meine Waden hinab und mir fielen wieder die weißen Abgrenzungen der Weißfleckenkrankheit ins Auge, die ich seit so vielen Jahren verabscheue. „Wurdest du als Kind verätzt?“ Schön wär’s. Ich wollte das Shooting absagen und mich einfach nur noch verkriechen. Mit den aufgekratzten Beinen konnte ich mich doch eh nicht mehr vor eine Kamera wagen und es war diesmal auch noch ganz direkt meine Schuld. Nur wegen meinem Kontrollverlust war meine Haut nun von blutigen Striemen überzogen. Die Wut auf mich selbst und meine scheinbare Unfähigkeit etwa Schönes zu erhalten wuchs mit jeder Sekunde an. Ich fühlte mich wirklich als würde ich jeden Moment platzen.

Ich weiß‘ nicht mehr, wie ich mich wieder beruhigt habe. Mir ist nur in der Reflexion dieser Situation aufgefallen, dass ich sehr oft dazu neige, von mir vorher als positiv bewertete Aspekte oder Situationen im Anschluss selbst zu zerstören. Es war zum Beispiel schon öfter so, dass ich im Bad vor dem Spiegel stand und mir dachte „Meine Haare gefallen mir momentan wirklich gut.“ Am nächsten Tag war ich dann entweder beim Friseur oder habe eine Tönung gekauft. Das Ergebnis fiel natürlich nicht zu meiner Zufriedenheit aus. Wie auch, ich war ja eigentlich mit der Vorversion ganz glücklich. Genauso verhält es sich mit meinen Nägeln und meiner Haut: Sobald mir auffällt, dass hier alles ganz okay ist, zerstöre ich es bei nächster Gelegenheit.

Ich bin scheinbar selbst so festgefahren in meiner eigenen Wahrheit, nichts positives verdient zu haben, dass ich alles zerstöre, was ich selbst kurzzeitig als gut bewerte. Dieses Thema wird auch mein persönlicher Hauptaspekt in der Tagesklinik werden. Ich möchte lernen, wie ich positves an mir nicht nur erkennen, sondern auch zu lassen kann. Bisher gelingt mir das leider nur höchst selten und kann dieses Gefühl dann einfach nicht gegen die vielen negativen Stimmen in meinem Kopf verteidigen. Ich hoffe, ich finde da einen Weg, um mich selbst besser wahrnehmen und akzeptieren zu können. Mit all meinen Schwächen, aber vielleicht eben auch meinen Stärken.

If there’s one thing that I may tell you
Let it be: You are your home,
Your body is the only house
That you will ever truly own,
Maybe it’s got some broken windows
And there are tear-stains on the floors,
Maybe you lock the things you wish you weren’t behind it’s many doors,
But there is wisdom on its bookshelves,
And a laugh to light the rooms,
There’s a vase upon the table
Where the love you’ve frown all blooms,
Dreams sit on the mantelpiece
Next to kindness and your trust,
Where you use them all so often
They have no time to collect dust,
So please don’t look at mansions
With that envy in your eyes,
There’s more that makes a home
Than its appearance or its size,
Your body is your shelter
So you deserve to love it all,
Don’t let the world stand round outside
And tell you how to paint your walls,
How lucky that you have somewhere
To protect you from the night,
And if there’s cracks left from the past?
Well then they just let in more light.
– E. H.

Das Shooting habe ich dann doch noch durchgezogen. Vor der Kamera zu stehen war mir zwar wirklich sehr unangenehm, aber ich mag einige der entstandenen Fotos dann doch wirklich leiden. Zumindest nach ein bisschen Bearbeitung (: Hier also die Ergebnisse sowie ein paar Fotos, die ich noch von der Freundin gemacht habe.

DSC_1384.3DSC_1493DSC_1177RONA1moopRONA!DSC_1225DSC_1310bearbeiten3DSC_1413[1]DSC_1466mööpDSC_1432DSC_1468h2bearbeiten2Unbenannt-1DSC_1473DSC_1447

Advertisements

3 Kommentare zu „And if there’s cracks left from the past? Well then they just let in more light.

  1. Toller Beitrag. ..und die Bilder erst wow… ich finde es toll,dass du das shooting trotz der fiesen Attacke am Vorabend gemacht hast. Du brauchst gar nicht so fiese Gedanken gegen dich selber haben. Aber diese Unzufriedenheit und dieser Schmerz muss in dem Moment irgendwo hin. Ich kenne das. Auch Ich leide unter Neurodermitis wenn es mir psychisch nicht gut geht geht das los und ich jucke und kratze und mache es damit auch schlimmer, aber für den Moment fühlt es sich sooo gut an. Ich hoffe und wünsche dir ,dass dir in dem Bezug der positiven Wahrnehmung und des selbst akzeptieren in der eigenen Schönheit geholfen wird in der tages

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s