Allgemein · Pfotenalltag

Das Geräusch einer Schnecke beim Essen

If a snail’s shell gets injured, a repair can be made quickly. New shell material is secreted by the mantle, and where there was once a crack, a scar appears, looking much like a skin scar. Even a missing shell section can be replaced.

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Es ist schon faszinierend, wie ein kleines Weichtier einem die richtige Umgehensweise mit Verletzungen vorlebt. Aus Selbstheilungskräften wird Narbengewebe gebildet und man lebt einfach weiter. Und für diesen Vorgang hat man alle Zeit der Welt, schließlich überlebt ja auch eine kleine Schnecke schwerste Verletzungen trotz ihres sprichwörtlichen Schneckentempos. Den Druck macht man sich wohl nur selbst.

Auf dem heutigen Gassigang entdeckten Summer und ich eine Schwäbische Auster, auch bekannt als Weinbergschnecke. Ganz gemütlich schneckte sie über die Straße. Warum Weichtiere so oft quer über einen Weg kriechen müssen anstatt einfach auf der alten Seite das leckere Grün zu vertilgen, verstehe ich bis heute nicht. Vielleicht sind sie auch kleine, von Abenteuerlust getriebene Weltenbummler. Getrieben von einem inneren Wunsch, immer unterwegs zu sein. Ob sie wohl wissen, wohin sie wirklich wollen? Wir sind uns wirklich ähnlicher als man auf den ersten Blick erahnen würde, diese Schnecken und wir Menschenwesen.

„The sentence that best expresses a snail’s way of life: ‚The right thing to do is to do nothing, the place to do it is in a place of concealment and the time to do it is as often as possible.“

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Summer war kurzzeitig an dem komischen Wesen mit dem mobilen Einfamilienhaus interessiert und die Schnecke zog sich schnell in ihr sicheres Zuhause zurück. So ein ungestümer Hund passt so gar nicht zu ihrem ruhigen Gemüt, da geht man besser aus Deeskalationskurs. Ich wollte allerdings gerne ein paar Fotos mit Summer und Fräulein Schleim und so wurden einige Leckerlis auf dem Panzer und drum herum drapiert und ein paar Sekunden lang geknipst. Summer war dann leider einmal zu übermutig und hat das arme Panzertier umgeworfen.

Als Entschädigung habe ich die liebe Schnecke dann ans andere Ende der Straße gesetzt und nach ca. zwei Minuten schauten vorsichtige Fühler aus dem Häuschen hervor und als keine Gefahr zu drohen scheinte – Summer war im Wald mit einer wichtigen Stöckchenpirsch beschäftigt – setzte sich die Schnecke in Bewegung. Natürlich in ihrem ganz eigenen Tempo, als hätte sie alle Zeit der Welt. Wahrscheinlich hat sie die auch. Zumindest in ihrer eigenen Wahrnehmung und die ist wohl das, was zählen sollte.

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An dieser Stelle möchte ich Euch gerne das Buch „Das Geräusch einer Schnecke beim Essen“ der Autorin Elisabeth Tova Bailey ans Herz legen. Alle genutzten Zitate stammen aus diesem Buch. Ich habe dieses Buch damals während meines Tagesklinikaufenthaltes gelesen und bin der Autorin wahrlich verfallen. Das Buch dreht sich um die kuriose Freundschaft einer Jorunalistin, die durch eine Krankheit lange Zeit ans Bett gefesselt ist, und einer Schnecke, die auf einer Topfpflanze ungefragt als Untermieter einzog. Das Buch zeigt, wie wichtig es ist, sein eigenes Tempo zu finden und nie den Blick für die kleinen Details zu verlieren, die das Leben so wunderschön machen.

Time unused and only endured still vanishes, as if time itself is starving, and each day is swallowed whole, leaving no crumbs, no memory, no trace at all.“

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