Allgemein · Gedankenpottpurri

Aller Anfang ist eigentlich gar nicht schwer..

“I’m so good at beginnings, but in the end I always seem to destroy everything, including myself.”
― Kiera Van Gelder

Das alte Sprichwort „Aller Anfang ist schwer.“ kam mir schon immer spanisch vor. Alte Dinge loslassen und sich dem Zauber des Neubeginns hinzugeben, das ist doch nichts schwieriges. Sich gedanklich bis ins kleinste Detail in die Planung und Erkundung des neuen Terrains zu begeben, all seine Kraft und Energie, all sein Sein, in ein neues Kapitel zu stecken und wieder Vertrauen in eine neue Chance zu stecken. Nein, das fiel mir noch nie wirklich schwer. Das Erhalten dieses Zustandes tiefster Zuversicht, das positive Gefühl mit in den Alltag zu tragen: DAS ist und war schon immer mein Problem.

In den letzten Wochen ist mir diese Problematik wieder bewusst geworden. In meinem Leben gab es viele Neubeginne und alle verliefen positiv. Das Nähen, der Blog, eine kleine Arbeitseingliederung um zu sehen, wie belastbar ich momentan denn wirklich bin. Außerdem ergab sich noch die Idee einer eventuellen Selbstständigkeit. Bei all diesen Veränderungen hatte ich ein positives Gefühl, verspürte Spaß und sah positiv in die Zukunft, sprühte nur so vor Ideen und Kreativität. Ich stand wieder regelmäßiger auf, stellte meine Ernährung um und wollte nach langer Zeit wieder ein besseres Leben führen. Und das um meiner Selbst willen. Ich weiß, dass ich damals schon zu einer Freundin sagte, dass ich Angst habe, wann dieser Zustand wieder verblasst und ins Gegenteil umschlägt.

Und so kam es dann auch. Wie eigentlich jedes Mal.

Aber etwas ist dieses Mal doch anders. Der Unterschied ist, dass ich dieses Mal mit einer Erkenntnis aus diesen Extremen Umschwung hervorgehe. Wenn man schon die Kraft nicht hat großartig die Wohnung zu verlassen, weil die Tagesenergie in das Aufstehen aus dem Bett verbraucht wurde, hat man wenigstens Zeit, um nachzudenken. Alles bis ins kleinste Ion zu zerkleinern und anschließend zu analysieren. Oft kommt da ehrlich gesagt nicht viel bei heraus oder es sind noch destruktivere Gedanken als man vorher im Kopf schwirren hatte, aber manchmal, ganz ganz selten, kommt man der Quintessenz der eigenen Psyche auf die Schliche. In meinem Fall ist es, mal wieder, die fehlende Selbstwertschätzung in Verbindung mit einer verzerrten Selbstwahrnehmung.

Ich bin wertlos. Ich kann nichts richtig machen. Ich bin nicht liebenswert.
Ich bin kein guter Mensch.

Das sind meine persönlichen Wahrheiten. Deswegen verletzte ich mich selbst, vernachlässige meine Wünsche und Träume, Bedürfnisse. Deswegen gibt es Tage, an denen ich sterben möchte. Deswegen habe ich keinen Partner und sage selbst Verabredungen mit Freunden ab.

Denn die innere Wahrheit muss immer wieder bestätigt und eingehalten werden. Sie ist vertraut, sie gibt Sicherheit und strahlt Beständigkeit aus. So negativ sie auch sein mag, sie gibt mir Halt. Schließlich lebe ich seit über einem Jahrzehnt mit diesem inneren Mantra. Und alles, was dagegen spricht, meide ich. Bisher war mir das gar nicht so wirklich bewusst, aber es ist wirklich wahr: Bekomme ich positive Rückmeldungen, ist da zwar zuerst ein positives Gefühl, aber dann kommt der Zweifel nach der Authentizität dieser Rückmeldung und nach einigen inneren Dialogen siegt in der Regel das Gewohnte, das negative Selbstbild. Was wissen die anderen denn schon? Ich kenne mich selbst wohl am besten. Und um ganz sicher zu gehen, dass diese Situation nicht wieder auftreten kann, dass dieser innere Zwiespalt gar nicht wieder aufbrechen kann, wird die positiv bewertete Tätigkeit einfach eingestellt.

Innere und äußere Wahrheit passen also wieder zusammen.
Wenigstens diesen Zustand kann ich kontrollieren.

In diesem Muster bin ich bisher gefangen gewesen. Jetzt erst habe ich das erkannt, aber ob das Wissen darum mir jetzt helfen wird, es zu durchbrechen.. das muss die Zeit zeigen. Glücklich kann ich sonst jedenfalls nicht werden, so viel steht in jedem Fall fest.

Das ist im Übrigen auch der Grund, warum ich in letzter Zeit kaum geschrieben habe. Die positiven Rückmeldungen haben mich immer sehr gefreut und das war dann letztlich das Problem. Aber wie sagte eine Freundin letztens zu mir „Wir sind stärker als unsere Ängste, als unsere inneren Monster. Wir wissen, dass sie nicht die Wahrheit sagen, es muss nur noch in unseren Herzen ankommen.“

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Ein Kommentar zu „Aller Anfang ist eigentlich gar nicht schwer..

  1. Ich finde diesen Text sehr interessant.
    Manchmal passieren mir genau die negativen Dinge, die ich befürchtet habe.
    Nicht immer, aber in einigen sehr wichtigen Punken – selbsterfüllende Prophezeihung, die meiner Meinung nach auch dadurch herbeigeführt wurde, dass ich unterbewusst meine, es nicht besser zu verdienen.
    Das gewohnte Muster sich darin bestärken zu lassen, dass man „nichts taugt“.
    Finde es sehr gut wie du das aufgeschrieben hast, das bringt einen zum Nachdenken.

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