Allgemein · Pfotenalltag

„Meine Mama sagt, Menschen mit Hunden sind dumm.“

„Meine Mama sagt, Menschen mit Hunden sind dumm.“ – ca. 8 jähriger Junge
„Mit Dummheit kennt sich deine Mama wohl sehr gut aus, was?“ – Moi

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Zugegeben, meine Antwort war nicht gerade das Gelbe vom Ei. Das Kind plappert schlichtweg die Worte der eigenen Mutter nach und wird mit meinem bissigen Sarkasmus wohl auch kaum etwas anfangen können. Nichtsdestotrotz war ich von der obigen Aussage genervt und meine Zunge war dann einfach schneller als meine Selbstreflexion.

Mir ist auf den täglichen Spaziergängen in meiner Gegend schon des Öfteren aufgefallen, dass hier viele Kinder wenig mit Hunden anzufangen wissen. Nicht selten laufen die Kinder sogar laut schreiend vor einem angeleinten Hund weg oder wechseln die Straßenseite. Erst vor zwei Tagen beobachtete ich eine junge Mutter, die mit ihrem kleinen Sohn den Park betrat und, als sie mich und Summer beim Frisbee spielen entdeckte, das Kind hektisch an die Hand nahm, sich immer wieder zu uns umdrehte und schneller Schrittes Richtung Parkausgang marschierte. Es lagen sicher 20 Meter zwischen uns, aber die potentielle Gefahr, dass Summer zu ihr laufen könnte, schien bereits zu reichen, um die Flucht anzutreten. An einem anderen Tag lief ein Mutter-Kind Gespann direkt vor uns. Summer war an der Leine und lief ruhig neben mir her. Als die Mutter bemerkte, dass wir hinter ihr gingen, nahm sie ihre Tochter an die Hand , zog deutlich das Tempo an und schaute alle paar Meter über ihre Schulter, ob wir folgen würden. „Sie tut Ihnen nichts, sie müssen nicht weglaufen.“ rief ich der Familie noch hinterher, aber es folgte keine Reaktion.

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Bei mir hinterlassen diese Begegnungen immer etwas ratlos, aber immer wieder mischt sie auch etwas Wut dazu: Ich nehme Summer doch schon ran, lasse sie eben nicht zu Kindern oder allgemein Fremden laufen. Wenn uns ein Kleinkind entgegenkommt, kommt Summer auf meine entgegengesetzte Seite und bekommt ein ‚Sitz‘. Kinder reagieren einfach unvorhersehbar und ich bin da einfach lieber etwas vorsichtiger, Kind und auch Hund zu liebe. Summer hat inzwischen mit Kindern kaum noch Probleme. Das war früher leider anders: Auf einem Geburtstag hat mein Neffe sie derart verunsichert, dass sie fortan auf Kinder mit abwehrenden Bellen reagierte. Sie hatte wirklich große Angst und wollte sichergehen, dass diese kleinen Wesen ihr ja nicht zu nahe kommen. Dank meiner tierlieben Nichte und den Kindern einer guten Freundin hat Summer das Vertrauen in Kinder wiedergefunden und freut sich inzwischen sogar, wenn sie auf dem Hinterhof mit den Nachbarskindern ein paar Tricks absolvieren darf. Kinder und Hunde können eine herzerwärmende Kombination ergeben und deshalb verstehe ich nicht, warum einige Eltern so negativ auf unsere Feuchtnasen gepolt sind.

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Das es aber auch ganz anders geht, durfte ich heute in der Innenstadt erleben.
Ich wollte ein paar Kleinigkeiten besorgen und hatte Summer an einer 1-Meterleine dabei. Wie schon beschrieben, nehme ich sie bei Kindern auf die andere Körperseite und entweder wir gehen im Fuß vorbei oder warten im Sitz ab, bis das Kind an uns vorbeigezogen ist. Heute stand dann aber mitten im Eingangsbereich ein Kind und starrte Summer mit vorgebeugtem Oberkörper an. Summer kam ins Sitz und ich wollte gerade noch eine Runde drehen, um später den Laden zu betreten als die Mutter des Knirpses dazu kam: „Schatz, Hunde darf man nicht so anstarren. Das macht Ihnen Angst.“ „Oh, Entschuldigung Hund.“ Ich bedankte mich bei der Frau und konnte nun doch den Laden betreten und war begeistert, wie toll die Mutter die Situation gehandelt hatte. Auf dem Rückweg kam uns dann nochmal eine Mutter mit zwei Kindern und Kinderwagen entgegen. Die Kinder rannten laut um den Kinderwagen herum und ich setzte Summer vorsichtshalber ab und wollte holte noch ein paar Leckerlis aus der Tasche. Kinder und schnelle Bewegungen: Da geh‘ ich lieber auf Summer sicher (: Musste ich aber gar nicht. Die Kinder wurden mit Namen angesprochen und ihre Mutter erklärte Ihnen, dass man am Besten nicht rennen sollte, wenn sie einen unbekannten Hund sehen. Das macht ihnen sonst Angst. Und wieder nickten die Kinder und gingen ruhig an Summer vorbei.
Positiver kann solch eine Begegnung wohl kaum verlaufen.

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Aber warum gibt es diese Extremen Unterschiede?
Ich lebe in einem der Kieler ‚Problemviertel‘. Hohe Arbeitslosigkeit und, und das ist hier vielleicht interessanter, ein hoher Anteil von Menschen, die aus völlig anderen Kulturen stammen. Knappe 45% der Menschen hier haben einen Migrationshintergrund und verbinden Hunde entweder mit reinen Arbeitstieren, kennen sie nur als Straßenhunde oder auch einfach gar nicht. Deutschland ist mit dem Trend des Hundes als Sozialpartner ja doch sehr weit voraus und deshalb denke ich, dass die negativen Hundebegegnungen in meinem Viertel schlichtweg darauf zurückzuführen ist, dass es für eine Vielzahl der Bewohner einfach unbekanntes Terrain ist. Und was man nicht kennt, macht einem Angst. Zudem muss ich zugeben, dass hier auch viele unerzogene Hunde herumlaufen, die nicht abrufbar sind. Wenn es vielleicht so schon mal zu negativen Begegnungen gekommen ist, ist das Misstrauen vielleicht sogar verständlich.

Ich werde Summer weiterhin ran rufen, wenn im Park Kinder auftauchen und vielleicht den Hund sogar anleinen (auch wenn wir weit, weit weg stehen), wenn das anderen Menschen mehr Sicherheit vermittelt. Der letzte Punkt ist mir tatsächlich erst während des Schreibens klar geworden. Bisher hielt ich es für ausreichend, wenn der Hund ran kommt bzw genügend Abstand zwischen uns herrschte, aber mein Gott. Wenn ich doch sehe, dass jemand offenbar Angst hat, ja dann kommt der Hund eben kurz an die Leine. Ist ja auch eine gute Übung..

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(Vielen Dank an Jane, die mir die tollen Fotos von ihrem Sohn mit Rüde Paul zur Verfügung gestellt hat. Kind und Hund zusammen kann wirklich großartig funktionieren.)

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2 Kommentare zu „„Meine Mama sagt, Menschen mit Hunden sind dumm.“

  1. Vor einigen Monaten, als Bella noch ein Welpchen war, ging ich mit ihr eine Straße entlang. Sie schnüffelte gerade im Gebüsch, da joggte eine hektische Mitt-Vierzigerin an uns vorbei, blickte mich panisch an – Bella hatte noch keinerlei Notiz von ihr genommen – und brüllte „NEHMEN SIE DAS VIIIIIECH WEG VON MIR!“. Öhm, ja, kein Thema, mach‘ ich natürlich, dachte ich mir und sorgte dafür, dass Bella ihre bisherigen 1,5 Meter Abstand zu der Dame weiterhin behielt.
    Ja, manche Menschen haben wirklich regelrecht Panik vor Hunden – schade, eigentlich. Aber da müssen wir Hundehalter leider durch.

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  2. Wir wohnen in der Innenstadt und bis jetzt habe ich zum Glück nur gute Erfahrungen mit Familien gemacht. Entweder, die Kids interessieren sich gar nicht für Lotte oder sie freuen sich: „Wau wau!“ 😉 Die Eltern reagieren meistens auch positiv.
    Öfters habe ich erlebt, dass sie versuchen, nörgelige oder abgelenkte Kinder auf Lotte aufmerksam zu machen oder mit ihnen „über den Hund reden“ – was sie gerade macht oder sowas.
    An anderer Stelle kam ich sogar mit einem kleinen Mädchen ins Gespräch, dessen Mutter auch Hunde in der Familie hatte.

    Da bin ich echt froh drüber, dass das hier so unkompliziert ist. Allerdings wohne ich auch in einem Gebiet mit sehr vielen Hundehaltern und Familien.

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