Allgemein · Gedankenpottpurri

Wo die wilden Gänse fliegen

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Bewundernd richte ich den Blick gen Himmel, folge mit den Augen dem Gänseschwarm, der nur wenige Meter über meinem Kopf hinwegfliegt. Eine selten gefühlte Sehnsucht erfüllt mich als mir durch den Kopf schiesst: „Sie haben ein Ziel. Sie wissen ganz genau wo sie hingehören und setzen alles daran, ihre Bestimmung zu erfüllen.“ Das hätte ich auch gerne. Ein Ziel, eine Bestimmung, eine unverwüstbare Motivationsquelle.

„Aber das hast du doch. Schon seit Ewigkeiten. Denk‘ nochmal nach..“ Sofort schießen mir Bilder von abgelegener Natur – dichte Nadelwälder sowie weite Steppenlandschaften – ins Bewusstsein. Von Vielfraßen, Wildhunden und Wölfen. Biologiestudium, ja, der langersehnte Kindheitstraum. Aber wie soll ich das noch erreichen? In meinem Alter, mit meiner Geschichte.

„Wie viele Gänse sterben vielleicht auf der von dir so bewunderten Reise? Kommen nie an? Aber bleiben sie deshalb einfach auf ihrer Wiese sitzen? Sie würden ja depressiv werden^^“ Gut, das Risiko am Nichtversuch zu Grunde zu gehen ist ungemein höher als alles auf eine Karte zu setzen und auf die inneren Sehnsüchte zu vertrauen. Klingt schlüssig, aber schaffe ICH das wirklich? Und ich rede hier nicht von meiner Motivation, sondern den rein fachlichen Anforderungen. Mein altes Ich, klar, sie hätte das mit links geschaukelt. Schnelle Reaktionszeit, rasante Auffassungsgabe und ein immenser Wissensdurst. Aber das bin ich doch gar nicht mehr. Ich bin von einem einfachen Kreuzworträtsel überfordert, ein gelöstes Sodoku empfinde ich als Meisterleistung und nach  mehr als eine sozialinteraktive Beschäftigung am Tag fordert sämtliche körperliche und mentale Kraftreserven, sodass ich die nächsten zwei Tage größtenteils im Bett verbringe. Das kann nicht funktionieren, nicht mehr..

„Zwischenstationen. Ruheplätze. Viele Gänse haben feste Regionen in denen sie zwischenlanden. Einige bleiben Tage, andere Wochen – und wieder andere bleiben bis zur nächsten großen Reisewelle. Das Ziel läuft ihnen nicht davon, es ist ihr Fixpunkt. Eine immerwährende Beständigkeit. Es geht um die Reise dorthin und es geht vorallem und sie selbst.“ Also finden sie sich, während sie sich auf dem Weg zu ihrem Ziel befinden, quasi selbst und haben dadurch automatisch die Kraft ihren inneren Bestimmungsort zu erreichen? Und vielleicht ändert sich der Ursprungsplan im Laufe der Zeit ebenfalls.

Mit dieser Fragestellung endete mein inneres Zwiegespräch. Die Gänse waren längst in den Sonnenuntergang geflogen und ich stand wieder allein dort, wie vorher eben auch. Aber etwas hatte sich in mir verändert; ein kleiner Funken Stärke hatte sich selbst entfacht. Ein Glaube an eine Eigenstärke, die von meinen Träumen, meinen Überzeugungen herrührte. Ich hatte ein kleines Stückchen Glaube an mich selbst wiedergewonnen und das alles wegen einem Gänseschwarm.

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